Durchfall
Welche
Untersuchungen helfen bei Durchfall wirklich weiter? „Vor die Therapie haben die Götter die Diagnostik gestellt!“ lautet eine alte Ärzteweisheit. Wenn immer möglich, sollte man sich um eine Abklärung der Ursachen einer Krankheit oder Befindensstörung bemühen, um dann auch eine sinnvolle, ursächliche Therapie in die Wege leiten zu können.
Von
Durchfall dürfen wir sprechen, wenn der Stuhl zu häufig erscheint, zu weich
ist oder zu viel Stuhl erscheint. In der Regel bezeichnet man einen Stuhl dann
als Durchfall, wenn er mehr als dreimal täglich auftritt und/oder eine breiige
oder flüssige Konsistenz aufweist.
Weiter
gilt es zu unterscheiden, ob ein akuter oder ein chronischer Durchfall vorliegt.
Die Ursachen sind hier meist völlig unterschiedlich. Daher ist auch die
Therapie eine ganz andere.
Dass
aus dem Stuhl wesentlich mehr Informationen als nur das möglicherweise
vorhandene versteckte Blut gewonnen werden können, steht zwar in jedem Lehrbuch
der Inneren Medizin, wird aber unverständlicherweise von den meisten Ärzten
nicht umgesetzt. Die nachfolgend aufgeführten Untersuchungen sind sämtlich
schulmedizinisch anerkannt, wenig invasiv (eine Stuhlprobe ist zwar etwas
unangenehm, tut aber nicht weh und hat keine Nebenwirkungen) und auch relativ
preiswert (im Vergleich etwa zu einer Darmspiegelung). Durchfall: Welche Rolle spielen Bakterien, Viren und Parasiten?
Akuter
Durchfall wird meist von Krankheitserregern verursacht. Dies können
„normale“ Darmbakterien sein, an die sich die Bevölkerung eines fernen
Landes gut angepasst hat, die auf den deutschen Touristen aber eine
„durchschlagende Wirkung“ haben können.
Es
kann sich aber auch einmal um so genannte pathogene Krankheitserreger handeln
wie Bakterien, Viren oder Parasiten. Oft wird man davon auf einer Fernreise
befallen, aber auch in Deutschland kann es einmal einen lokalen Ausbruch einer
Salmonellose handeln – besonders wenn Fehler in der Essenszubereitung oder
Aufbewahrung gemacht wurden. Beispiele: Tropfwasser aus dem gefrorenen Hähnchen
(hier sind relativ oft Salmonellen enthalten, die beim Braten vollständig abgetötet
werden) kommt in Kontakt mit dem Schokoladenpudding, in dem sich die Salmonellen
fleißig vermehren. Oder der Kartoffelsalat schwitzt beim Grillabend in der
Sommerhitze vor sich hin. Kein Lebensmittel ist völlig keimfrei. Wenn man
bedenkt, dass unter optimalen Wachstumsbedingungen Bakterien sich alle 20
Minuten verdoppeln können, so ist innerhalb von etwas mehr als 3 h eine Vertausendfachung
(!) des Keimgehaltes möglich.
Bei
Fernreisen muss man auch einmal an Parasiten (z.B. Amöben) denken, die bei uns
praktisch nicht vorkommen.
Wenn
ein akuter Durchfall innerhalb von 2-3 Tagen unter Nahrungskarenz (Teepause, später
Zwieback, zerdrückte Banane oder geriebener Apfel) rasch besser wird, braucht
nichts weiter unternommen zu werden. Ist der Durchfall sehr wässrig, wird überhaupt
keine Flüssigkeit drin behalten, geht das Körpergewicht kontinuierlich zurück,
gibt es Austrocknungszeichen (tiefe, dunkle Augen, Hautfalte bleibt stehen, wenn
man sie mit zwei Fingern bildet) oder ist der Durchfall mit hohem Fieber
verbunden, so sollten Sie nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen, damit der gefährlichen
Austrocknung entgegen gewirkt werden kann. Besondere Risikogruppen sind hier
kleine Kinder und ältere Menschen.
Sollte
der Durchfall länger als eine Woche anhalten, sollte an diagnostische Maßnahmen
gedacht werden – umso eher, wenn Sie sich den Durchfall als
„Reisesouvenir“ mitgebracht haben. Der Arzt sollte den Stuhl dabei auf
folgende Parameter untersuchen:
Je
nachdem kann dann eventuell ganz gezielt vorgegangen werden.
Akuter
Durchfall nach einer Antibiotika-Therapie: An Chlostridien
denken! Manchmal kommt es direkt im Anschluss an eine Antibiose zu einem akuten Durchfall. Nicht selten handelt es sich dabei um eine so genannte AAC (Antibiotika assoziierte Colitis = Darmentzündung durch Antibiotika ausgelöst). Antibiotika zerstören auch einen Großteil unserer normalen Darmflora. Wird diese jedoch dezimiert, so können sich Keime vermehren, die normalerweise von der „gesunden Flora“ in Schach gehalten werden. Jedenfalls dann, wenn diese Keime gegen das verabreichte Antibiotikum resistent sind. Chlostridium difficile ist ein solcher Keim, der sich gern nach einer Antibiose breit macht. Wenn bei einem Durchfall der entsprechende Verdacht besteht, sollte der Stuhl auf Chlostridium difficile und das von diesem gebildete Toxin (Giftstoff) untersucht werden. Wird man hierbei fündig, so muss eine gegen Chlostridien gerichtete Antibiotikagabe erfolgen. Der Durchfall wird so zuverlässig in kurzer Zeit beseitigt.
Eine diagnostische Crux: Der chronische
Durchfall
Haben
Sie schon seit Monaten oder Jahren dünne Stühle? Hat der Arzt vielleicht schon
die oben angegebenen Untersuchungen veranlasst, ohne dass er fündig geworden wäre?
Wurde vielleicht gar eine Magen- oder Darmspiegelung ohne organischen Befund
veranlasst? Dann sollten Sie vielleicht im Stuhl nach Werten suchen lassen, die
oft (zu unrecht) vernachlässigt werden.
Die einfachste und wichtigste Untersuchung ist für mich die Untersuchung nach Verdauungsrückständen. Hier kann man erkennen, ob Fette, Fettsäuren oder Stärke nicht gut verdaut werden und so in den Dickdarm gelangen, wo sie nicht hingehören. Im Dickdarm führen sie durch den Abbau durch die dort vorhandenen Bakterien zu heftigen Blähungen. Wenn sich Verdauungsrückstände nicht nachweisen lassen, so ist ein Malabsorptionssyndrom praktisch ausgeschlossen, die weiteren Untersuchungen erübrigen sich meistens. Die Diagnose eines Reizdarmes wird dann wahrscheinlicher. Finden sich aber Verdauungsrückstände, so ist irgendetwas mit der Verdauung wirklich nicht in Ordnung. Wir haben dann eine mögliche Ursache für den Durchfall gefunden. Die Ursache der Aufnahmestörung muss dann freilich noch weiter abgeklärt werden, wozu die folgenden Untersuchungen geeignet sind. Die Untersuchung auf Ausnutzung, die nur wenige Euro kostet, ist für mich die wichtigste Screeninguntersuchung bei einem chronischen Durchfall. Und wenn Sie unter Schmerzen, Krämpfen oder Missempfinden im Bauch leiden, füllen Sie meinen Fragebogen zu Verdauungsbeschwerden aus - dann erhalten Sie von mir eine ausführliche Bewertung: http://www.habichtswaldklinik.de/fragebogen-verdauung-reizdarm.html Durchfall: Pankreas-Elastase 1 - funktioniert die Bauchspeicheldrüse?
Eiweiße
und Fette können nur dann richtig verwertet werden, wenn die Bauchspeicheldrüse
gut arbeitet und genügend Enzyme bereitstellt. Liegt jedoch eine exkretorische
Durchfall: PMN-Elastase - liegt eine Darmentzündung vor?
Die
PMN-Elastase ist ein Enzym, welches in weißen Blutkörperchen vorkommt. Finden
wir dieses Enzym vermehrt im Stuhl, so ist dies ein Hinweis auf eine erhöhte
Aktivität weißer Blutkörperchen im Darm. Die weißen Blutkörperchen sind die
Polizisten unserer
Immunabwehr und bei jeder Entzündung aktiv – sei es bei
der Abwehr von Krankheitserregern oder einer
Autoimmunerkrankung. Bei gereizter
Darmschleimhaut lassen sich daher leichte Erhöhungen der PMN-Elastase finden.
Bei einer massiven Darmentzündung (z.B.
Durchfall: α1-Antitrypsin - besteht ein Hinweis auf eine Nahrungsmittelallergie? Dieses Enzym ist dann oft erhöht, wenn Entzündungen bestehen oder die Darmschleimhautpermeabilität beeinträchtigt ist. Normalerweise können nur sehr kleine Moleküle aus dem Darm durch die Schleimhaut in den Körper gelangen. Große Moleküle können nur in geringer Menge die Schleimhaut passieren. Anders ist dies bei gestörter Permeabilität, d.h. bei vergrößerter Durchlässigkeit. Dies wird auch als leaky gut, also als „Leck im Darm“ bezeichnet.
Durch
die vermehrte Belastung des Körpers mit Fremdeiweißen können sich dann
leichter
Nahrungsmittelallergien entwickeln, die wiederum zu einer gestörten
Fettverdauung und damit zu
Durchfall: Allergieteste - werden bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen?
Wenn
der Verdacht auf
Nahrungsmittelallergien besteht (z.B. weil bei bestimmten
Nahrungsmitteln immer wieder Durchfall oder
Jeder
Allergietest – auch offiziell anerkannte – haben falsch positive und falsch
negative Ergebnisse. Sie können also positiv sein und es liegt keine
Allergie
vor oder sie können negativ sein und es liegt doch eine
Allergie vor. Wichtig
ist, dass Sie in jedem Fall Nahrungsmittel meiden, die reproduzierbar bei Ihnen
zu
Durchfall: Gallensäuren - werden Gallensäuren ungenügend im Dünndarm aufgenommen und führen so zu Störungen im Dickdarm?
Die
Leber produziert Gallensäuren, die Gallenblase speichert sie und gibt sie bei
Nahrungsaufnahme in den Dünndarm ab. Die Gallenflüssigkeit bildet eine
Emulsion aus den fettigen und wässrigen Anteilen des Nahrungsbreies. Aus
wenigen großen werden viele kleine Fetttröpfchen, die dann besser verdaut
werden können. Im Endteil des Dünndarmes werden die Gallensäuren dann wieder
fast vollständig aufgenommen. Nach Bestrahlungen im Unterleib, operativer
Entfernung des Endteiles des Dünndarmes oder wenn Dickdarmbakterien in den Dünndarm
übergewuchert sind, ist die Aufnahme der Gallensäuren mehr oder weniger stark
behindert. Dies wird als
Gallensäureverlustsyndrom
bezeichnet. Oftmals tritt dabei ein Durchfall praktisch nach jeder Mahlzeit auf.
Mit bestimmten
Medikamenten (so
genannten Ionenaustauscherharzen) können diese Gallensäuren allerdings gebunden
und somit unschädlich gemacht werden. Die
Durchfall:
Gluten-/Gliadin-Antikörper
- liegt eine
Gluten ist das so genannte Klebereiweiß in Getreide. Gluten bewirkt, dass der Teig gut zusammen haftet. Manche Menschen vertragen dieses allerdings nicht und reagieren mit Blähungen und Durchfall auf Getreideprodukte. Da in Mitteleuropa jeder Mensch praktisch täglich Getreideprodukte verzehrt, können die Beschwerden nicht sicher der Ursache zugeordnet werden – anders als etwa bei Erdbeerallergie, wenn jedes Mal und nur nach Genuss frischer Erdbeeren Bläschen im Mundbereich oder quälende Blähungen auftreten.
Der
Goldstandard der
Sprue-Diagnostik ist die
Dünndarmspiegelung mit Entnahme einer Biopsie (Gewebeprobe). Hier kann die
Sprue
( Durchfall: Atemtest auf Laktoseintoleranz – wird Milchzucker nicht vertragen?
Wussten
Sie, dass 80 % der gesamten erwachsenen Weltbevölkerung eine
Wenn
Sie Frischmilchprodukte wie Milch, Speiseeis, Joghurt oder Quark nicht gut
vertragen, alten Hartkäse (wenig Milchzucker) hingegen schon, dann sollte nach
einer
Die
Therapie besteht dann nicht in einer milchzuckerfreien Diät ( Durchfall: Atemtest auf Fructoseintoleranz - wird Fruchtzucker nicht vertragen?
Bekommen
Sie nach Obst Blähungen und Durchfall? Wird der Genuss jeglichen Zuckers nicht
vertragen? Sind die Beschwerden beim Verzehr von Birnen besonders schlimm? Dann
sollten Sie an eine
Durchfall: Die Interpretation ist genauso wichtig wie die Diagnostik!
Es gibt mittlerweile einige Labors, die eine solch subtile Diagnostik durchzuführen
in der Lage sind. Da die Interpretation der Befunde immer auch die Kenntnis der
klinischen Symptomatik voraussetzt, sollte nur ein darin erfahrener Therapeut
solche Untersuchungen veranlassen, bewerten und die daraus notwendigen
therapeutischen Konsequenzen ziehen. Zu oft erlebe ich noch, dass zwar eine
Stuhluntersuchung durchgeführt wurde, dort auch eine Dysbalance
der Darmflora mit (meist) einem hohen Stuhl-pH (Säure-Basen-Wert)
als Hinweis auf einen Fäulnisstuhl gefunden wurde und dann einfach die
„fehlenden“ Bakterien ersetzt werden (s.o).
Dabei handelt es sich jedoch um eine mechanistische, reduktionistische
Behandlung, die fast nie zum Erfolg führt, weil damit die zugrunde liegende Störung,
die die Fäulnisprozesse erst in Gang setzt, überhaupt nicht angegangen wurde.
Mit einer subtilen, gezielten Diagnostik und einer erfahrenen Interpretation der
Ergebnisse kann vielen Menschen mit Darmproblemen geholfen werden. Nach einer
manchmal jahrelangen Odyssee bei Ärzten, Heilpraktikern, in Akut- und Rehakliniken
können Patienten oftmals noch von chronischem Durchfall,
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
![]() Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz. Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html Die
Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert. Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail) Weitere Fragen?
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